Zwei Tage im Elsass

„Bonjour, ça va? Avez-vous déjà été en Alsace? Non?“

Na, dann wird es aber höchste Zeit! Denn um in den Genuss von duftenden Croissants, einer der wohl ästhetischsten Sprachen auf der ganzen Welt und niedlichen kleinen Cafés zu kommen, bedarf es nicht zwangsläufig eines kostspieligen Aufenthaltes in der französischen Hauptstadt Paris- nein!

Um Frankreich in seiner ganzen Schönheit zu erleben, genügt bereits eine Reise nach Straßburg (Französisch: Strasbourg), in das Herzstück des Elsass.

Mit seinen knapp 300.000 Einwohnern sowie dem Sitz des Europäischen Parlamentes liegt Straßburg direkt an der deutschen Grenze und drängte sich daher- auch dank der verlockend kurzen Anreise (mit dem Auto von Würzburg aus ca. 3 Stunden Fahrtzeit.) - für einen zweitägigen Städtetrip ins europäische Ausland nahezu auf.

Die Entscheidung fiel also nicht schwer und so schickten wir uns an, an einem sonnigen Dienstagmorgen, 15. August 2023, vom Würzburger Hauptbahnhof gen Elsass aufzubrechen.

Mit an Bord: Benjamin, Fiäls, Knastcoach, Short sowie meine Wenigkeit. Der Begriff Bord meint hierbei den Innenraum des stets stilvoll und in leichter Rücklage von Short (keiner sitzt derart gekonnt im Fahrersitz) durch Würzburg gelenkten grauen Audi mit Offenbacher Kennzeichen, der mit der 5-Mann-Besetzung sowie dem ein oder anderen Gepäckstück durchaus gut ausgelastet war. Die Stimmung war trotz des nächtlichen Ausganges einiger Mitreisender in der vorherigen Nacht ausgelassen und erwartungsfroh.

Es würde nach Frankreich gehen. Ins malerische Straßburg. Ins Elsass. Noch dazu in dieser legendären Konstellation. Einfach nur fantastique!

Treffpunkt: Postparkplatz am Würzburger Hauptbahnhof

 

Die Autofahrt hätte entspannter nicht verlaufen können. Es wurde geschlafen, sich mittels eines sehr kurzweiligen „Städtespieles“ in Geographie geübt, über walisische Drachen fabuliert und leidenschaftlich zu Welthits wie „Ich trau mich nicht“ oder „Der letzte Sommer“ mitgeträllert.

Für einen echten „Running Gag“ sorgte gegen Fahrtende Knastcoach- in meinen Augen einer der lustigsten Menschen, die dieser Erdball jemals beherbergt hat-, als er Short eindringlich darum bat, bitte nicht so auf cool zu fahren. Um dann noch hinzuzufügen:

„Ich möchte mich umschauen!“

Wohlgemerkt fuhr Short einerseits durchweg seriös, andererseits befanden wir uns zu jenem Zeitpunkt noch im Straßburger Einzugsgebiet, das-um es diplomatisch auszudrücken- nicht die wunderbarste Seite des so wunderbaren Straßburg bleiben sollte…

Lange Rede, überhaupt gar kein Sinn: Wir erreichten Straßburg quietschfidel und putzemunter gegen 12 Uhr (Fahrzeit also ca. 3.15 h- bei einem kurzen Zwischenstopp an einer Autobahnraststätte.) Nochmals herzlichen Dank für diese super Fahrt, Short!!

Ankunft in Straßburg: Endlich kann sich Knastcoach in Ruhe umschauen

Nachdem wir den Audi in einer zentralen Tiefgarage abgestellt und unser Gepäck gesattelt hatten, konnten wir uns einen ersten Eindruck von Straßburg verschaffen. Und dieser erste Eindruck war tatsächlich: WOW!

Insbesondere die alten Fachwerkhäuser um den historischen Stadtkern „La Petite France“ entlockten uns ein aufrichtiges Staunen. Dazu der sich um die Altstadt schlängelnde und durch das einfallende Sonnenlicht hell erleuchtete Fluss Ill, und die mit bunten Blumen jeglicher Couleur bestückten Brücken. Straßburg zeigte sich uns an jenem Tage von seiner strahlendsten Seite.

Wir inspizierten unser Appartement (nochmals danke Short! Das war eine einwandfreie Geschichte!), das zentraler nicht hätte liegen können und begaben uns nach einer kurzen Verschnaufpause-ja wir sind schon wirklich schwer am Schuften gewesen-auf Erkundungstour durch die Stadt.

Eine Konditorei hier, eine wunderbare Häuserfassade da. Alles überragend jedoch: Das Straßburger Liebfrauenmünster. Majestätisch und triumphierend überragte es mit einer unvergleichlichen Eleganz die anderen Gebäude. (Dazu aber später mehr…).

Bezaubernde Blumen jeglicher Couleur

 

In einem besonders niedlichen kleinen Café, welches den Namen „Gillmann Francois“ trug und unweit des Flusses lag, ließen wir uns schließlich zum ersten Mal nieder. Bei Törtchen und Cappuccino genossen wir die Sonne und die französische Lebensfreude. Savoir-Vivre. Ach, das ist ja wirklich Musik in den Ohren!

Es war 13: 25 Uhr.

Nicht schlecht fürs erste, oder?

Genuss des Savoir-Vivre

Frisch gestärkt-wir hatten noch einen weiteren Halt bei der Fastfoodkette „Fife Guys“ eingelegt (hier gibt es wirklich wunderbare Pommes) - beschlossen wir anschließend, den Turm des gigantischen Liebfrauenmünsters emporzusteigen und reihten uns hierzu sogleich in eine beträchtliche Schlange Wartender ein.

Für die bei Temperaturen um die 30 Grad beinahe lebensnotwenige Erfrischung sorgte hierbei Benjamin (einer der großzügigsten Menschen, die dieser Erdball jemals beheimatet hat.), der für einen kurzen Augenblick verschwand und nach nur wenigen Minuten mit breitem Grinsen sowie 5 eiskalten Cola- Dosen zu uns Wartenden zurückkehrte. An dieser Stelle nochmals danke, Benjamin!

Nach einer Wartezeit von ungefähr 20 Minuten ging es los. Die Tore zum Aufstieg wurden geöffnet. 332 Stufen galt es zu erklimmen, um die Plattform in 66 m Höhe zu erreichen. Puh!

Doch auch wenn sich beim Aufstieg für einen kurzen Moment ein mulmiges Gefühl in uns breit machte, so waren wir alle froh und begeistert, als wir die letzte Stufe hinter uns gelassen hatten und die elsässische Schönheit Straßburg aus beträchtlicher Höhe bestaunen konnten.

Wirklich, liebe Leute, der Aufstieg ist sehr empfehlenswert. Dieser kostet für Schüler und Studenten, die einen entsprechenden Ausweis vorzeigen können, nur 5 Euro. Gut, dass ich an jenem Tage meinen Ausweis vergessen hatte…Na ja, sei´s drum!

Benjamin und Fiäls lassen ihren Blick über die elsässische Schönheit schweifen.

Dieses Straßburg entlockt ein Lächeln

Weiter im Text! Die Altstadt Straßburgs hatten wir nun also erkundet. In einem bezaubernden Café durften wir das unvergleichliche Flair dieser Stadt einatmen und den Turm des Liebfrauenmünsters haben wir auch bestiegen. Was fehlte noch? Hmm…richtig! Das, was auf keinem Städtetrip fehlen darf…nein, nicht Bier! Richtig: Die Kulinarik!

Short, übrigens einer der begeisterungsfähigsten Menschen, denen dieser Erdball jemals ein Zuhause gegeben hat, hatte im Vorfeld unserer Reise mehrfach mit einem gewissen Nachdruck darauf hingewiesen, dass er UNBEDINGT Froschschenkel essen wolle und für ihn die Kulinarik bei Reisen eine übergeordnete, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle spielt.

So durchforsteten wir das Internet und wurden schließlich bei dem Restaurant „La Hache“ fündig, wo Short einen Tisch für 21:00 Uhr reservierte.

Bis wir allerdings in die atemberaubende kulinarische Vielfalt unseres Nachbarlandes eintauchen konnten, blieb uns allerding noch etwas Zeit, welche wir mit einem kurzen Zwischenhalt bei einem libanesischen Restaurant-ja ja, ihr habt ja Recht: Mit Essen auf das Essen warten ist schon sehr stilvoll- und einem anschließenden Flanieren am Fluss verbrachten.

Bei Shawarma und Cola sowie einem unschlagbaren Blick auf „La Petite France“ in seiner ganzen Schönheit, wurde uns allen bewusst, was für ein wunderbarer und zutiefst kostbarer Moment das eigentlich war. Nur schade irgendwie, dass man diese tollen Momente nicht in eine Schatulle packen und dann, je nach Belieben, wieder herausholen und sich an der Schönheit des Momentes erfreuen kann.

„Aber du hast doch die Erinnerungen! Da bleiben die Momente!“, sagte Fiäls, übrigens einer warmherzigsten Menschen, die je auf dem Planeten Erde gelebt haben.

Und da hast du ganz Recht, lieber Fiäls!

 

Flanieren am Fluss

Den Abend ließen wir dann im „La Hache“ ausklingen. Bei Bier und Wasser, bei Kabeljau und Olivenschaumpaste und…jaaaaa…genau: Bei Froschschenkeln!

Ich möchte hier nichts vorwegnehmen. Am besten versucht ihr es einmal selbst und findet heraus, ob diese französische Delikatesse etwas für euch ist. Das Restaurant jedenfalls ist eine absolute Empfehlung und wir waren, gesättigt und glücklich ob der Geschmacksexplosion in unseren Mündern, heilfroh, dass uns Short dazu überredet hatte Essen zu gehen.

Fazit zum ersten Tag Straßburg:  C´était magnifique!

Delikatesse: Froschschenkel

Der nächste Morgen begann in aller Herrgottsfrühe mit einer Erkundungstour des noch menschenleeren Straßburg und…genau: Croissants.

Zwar wird mir gelegentlich nachgesagt, ich würde zu Übertreibungen und bisweilen ausuferndem Enthusiasmus neigen. Für die nun folgende Aussage bitte ich aber um vollständige Ernsthaftigkeit!

DIESE CROISSANTS WAREN DER ABSOLUTE OBERHAMMER. Ehrlich. In meinem ganzen bisherigen Leben habe ich nichts Besseres gegessen. Es war wirklich fantastisch. Hierbei handelt es sich-versprochen, versprochen, versprochen- um keine Übertreibung.

Noch dazu ein hervorragender Kaffee und ein nettes Plätzchen mit einem guten Blick auf Straßburgs langsam erwachende Altstadt. So kann doch eigentlich jeder Morgen beginnen, oder nicht?

Croissants

Gut gestärkt setzte ich daraufhin die Erkundungstour mit dem nun ebenfalls erwachten Short weiter fort. Wir kauften farbenfrohe Macarons als Mitbringsel für zu Hause, schlenderten durch die Altstadt und schwelgten in Erinnerungen und Gedanken.

Mit meinem lieben Freund Short im morgendlichen Straßburg; im Hintergrund die beeindruckenden Konturen des Liebfrauenmünsters.

Farbenfrohe Macarons

Als sich schließlich Benjamin, Knastcoach und Fiäls zu uns gesellten, fuhren wir mit der Straßenbahn zu einer weiteren wichtigen Attraktion Straßburgs, dem Europäischen Parlament, dessen Eintritt im Übrigen kostenlos möglich ist. (Auch hier dringende Empfehlung!!!)

Wir wandelten auf den Spuren der Schumann-Erklärung und der europäischen Einigung, besichtigten die World-Press-Ausstellung und diskutierten angeregt über die politischen Fragestellungen unserer Zeit. Allen wurde uns jedoch wieder einmal, umgeben von den Fahnen aller EU-Mitgliedstaaten, in einem historisch derart bedeutenden Hause, bewusst, was für ein Geschenk diese EU für unsere junge Generation ist und welche Möglichkeiten-von Reisfreiheit bis zur Möglichkeit eines Erasmus Auslandssemesters- uns dadurch zuteilwerden.

Plenarsaal

vier freunde

 

Und dann? Tja, als wir das Europäische Parlament mit vielen neu gewonnenen Eindrücken verlassen hatten, hieß es bedauerlicherweise auch schon wieder Abschied nehmen von Straßburg und meinen vier Freunden. Abschied nehmen von zwei ereignisreichen, wundervollen Tagen, die gespickt waren mit unvergesslichen Erlebnissen und die bedauerlicherweise wieder viel zu schnell vorüber gegangen sind.

Ich möchte mich bei euch allen Vieren bedanken, die ihr diese Reise zu etwas Großartigem, etwas Unvergesslichem und etwas Wunderbaren gemacht habt! Es war super schön mit euch!

Und natürlich möchte ich mir auch bei dir bedanken, liebes Straßburg!

Tu étais formidable!

Au revoir et merci!