Nebel im Kopf
von Daniel Kinkelin
Als Kind war ich ein großer Harry Potter-Fan, wobei mich vor allem eine Sache am meisten faszinierte: Der Zauberer Albus Dumbledore konnte seine Gedanken in einem sogenannten Denkarium sammeln.
Ein Denkarium ist eine Art Gedankenbibliothek, die es Dumbledore erlaubt, immer wieder Erinnerungen hervorzurufen. Im vierten Teil der Harry Potter-Reihe "fällt" Harry in das Denkarium von Dumbledore hinein und wird Zeuge einer Erinnerung. Das alles hatte sich für mich erst mal wie ein magischer USB-Stick angehört, welcher als potenzielle Prävention gegen Demenz fungieren könnte.
In meinem Kopf bilden sich selbst manchmal hunderte dieser Denkarien wie von selbst. Urplötzlich werde ich in mehrere Gedanken und Erinnerungen hinein - und wieder herausgezogen, ohne dass ich wirklich Herr darüber bin, an was ich gerade wirklich denken möchte. Mir bleibt es verwehrt, eine klare Sicht auf einzelne Dinge zu haben. Für mich ist das ein ungutes Gefühl, da es meistens auch mit eher negativen Gedanken einhergeht.
Die Medizin hat dafür einen Begriff: Gehirnnebel (engl. Brain Fog). Weder ist es eine offizielle Krankheit noch ist es einfach zu erforschen. Der Gehirnnebel wird vor allem an den Symptomen identifiziert: Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Verwirrtheit und auch Vergesslichkeit. Die AOK empfiehlt dagegen in einem veröffentlichten Artikel besseren Schlaf, mehr Bewegung und gesündere Ernährung. Das sind allerdings auch genau die drei Dinge, die man sowieso jedem Menschen immer empfiehlt, unabhängig von dessen Symptomen und Krankheiten. Ich habe mich heute gefragt, was mir wirklich hilft, wieder klarer im Kopf zu werden und den Nebel verschwinden zu lassen:
1. Lange Spaziergänge allein und ohne mein Handy
Es ist ein befreiendes Gefühl und kann die Seele und das Gehirn tatsächlich reinigen. Draußen in der Natur spazieren zu gehen, versuchen sich auf seinen eigenen Atem zu konzentrieren, und die Gedanken einfach Stück für Stück in den Hintergrund geraten lassen.
2. Weniger Musik hören
Ich neige selbst dazu, viel Musik und Podcasts zu hören. Sei es beim Sport, beim Aufräumen oder wenn ich nur irgendwohin unterwegs bin. Häufig bringt das auch schöne Gefühle hervor, allerdings ist mir bewusst geworden, dass es manchmal auch einen subtilen Druck auf mein Gehirn ausübt, ständig beschallt zu werden und keine Pause zu bekommen.
Deswegen versuche ich bei einigen Aktivitäten auf Musik zu verzichten und mich mehr im Moment zu bewegen.
3. Lange an etwas arbeiten
Es kann ganze Wunder bewirken, wenn man sich dazu überwindet, sich für mehrere Stunden nur auf eine Sache zu konzentrieren. Das Gehirn merkt wieder, wozu es eigentlich in der Lage ist und der Nebel verschwindet nach und nach. Das ist außerdem auch ein gutes Training für das Gehirn und um es langfristig vor Gehirnnebel zu schützen.
Zumindest habe ich die Erfahrung gemacht.
Am Ende des Tages muss aber jeder für sich selbst herausfinden, was ihm am besten hilft. Durch Soziale Medien, das Internet generell, ständige Erreichbarkeit und Informationsüberflutungen laufen wir tagtäglich Gefahr in einen Nebel zu kommen. Viele nehmen das vielleicht auch nur noch zu Kenntnis. Ich persönliche versuche mich dagegen zu wehren, da bei mir klare Gedanken einen echten erlösenden Charakter haben können.
Vielleicht geht es euch ja ähnlich.