Zwischen "warmen Bergen" und "offener See"

Eine Reisereportage aus Albanien und dem Kosovo.

 

Warme, feuchte Luft schlägt uns entgegen, als wir aus dem Flugzeug steigen.

Meine Reisepartner Andi und Basti, die außerdem zu meinen besten und engsten Freunden
zählen, passieren vor mir die steile Treppe hinab auf das asphaltierte Rollfeld.
Vor uns nunmehr das gläserne Gebäude, über dem in leuchtend roten Buchstaben Tirana
International Airport prangt. Hinter uns der Flieger, der uns soeben an diesen Ort getragen hat.

Dieser Ort, das ist Albanien, Westbalkan. Rund 2,4 Millionen Einwohner. Nachbarland
Montenegros, des Kosovos, Nordmazedoniens sowie Griechenlands. Zauberhafte Sandstrände
an der Adria und dem Ionischen Meer. Zugleich beeindruckende Gebirgsketten, mittelalterliche
Moscheen und eine einzigartige kulturelle sowie religiöse Vielfalt.

Wir schreiben Freitag, den 28. August 2026.

Albanien, wir freuen uns auf Dich!

Shqipëri, mezi po presim të të shohim!

Basti (links) und Andi (rechts) vor dem Flughafengebäude bei unserer Ankunft in Tirana.

Vor dem Flughafengebäude herrscht reges Treiben. Telefonierende Menschen, Taxen, die auf
Neuankömmlinge warten und die Klänge einer Sprache, die wir zum ersten Mal in unserem
Leben bewusst wahrnehmen. Albanisch.
Obwohl wir draußen sind, steht die Luft. In der Hauptstadt Tirana, der Metropole des
Balkanlandes, welche circa 600.000 Menschen beheimatet, ist das Thermometer an diesem Tag
auf über 35 Grad Celsius geklettert. Das ist bei jedem Atemzug spürbar.
Nachdem wir uns einen kurzen Überblick verschafft haben, steuern wir schließlich unser erstes
großes Ziel an: Einen grauen, leicht lädierten und von Überlandfahrten gezeichneten Ford
Focus, der unser Reisegefährt für die kommenden Tage darstellen wird.
Zwei fröhliche Männer mittleren Alters nehmen uns mit Handshakes in Empfang und erläutern
die Mietmodalitäten, bevor wir das Gepäck im Innern unseres neugewonnenen vierrädrigen
Freundes verstauen und Andi als Fahrer Basti und meine Wenigkeit durch das abendliche Tirana
zu unserer ersten Unterkunft steuert.
Wir fahren an beeindruckenden, hell erleuchteten Moscheen sowie vereinzelten Kirchen vorbei,
an eher tristen, heruntergekommenen Bauten, an Menschengruppen, die lachend durch die
Straßen ziehen.

Dabei fallen uns religiös gekleidete Frauen und Männer auf, die nur wenige Meter entfernt von
locker angezogenen, feierlustigen Jugendlichen die Straße entlangspazieren. Es ist dieser Kontrast, der sofort ins Auge sticht.
Einerseits eine spürbare, identitätsstiftende Religiosität der Albanerinnen und Albaner,
andererseits eine liberale, stark säkular anmutende Leichtigkeit der jüngeren Generation.
Beides scheint in Tirana seinen festen Platz zu haben. Niemand stört sich an der Lebensweise
des anderen.
Angekommen bei unserer ersten Unterkunft, mitten im Herzen der albanischen Hauptstadt,
komme ich ins Gespräch mit Olsi. Er ist der Sohn unseres heutigen Gastgebers, ein
sympathischer Mittdreißiger, und hat soeben den Ford mit geübter Leichtigkeit in eine
besorgniserregend enge Parklücke befördert, ohne dabei eine Miene zu verziehen.
Bei einer Zigarette vor unserem Appartement erzählt er mir, dass Albaner sehr offene,
gastfreundliche Menschen seien, es in jüngerer Vergangenheit jedoch gerade innerhalb der
Regierung viel Korruption gegeben habe, worunter die Menschen – dem Anscheine nach – zu
leiden haben.
Anschließend gibt Olsi uns noch ein paar Ausflugstipps und legt uns nahe, unbedingt die
Pyramide von Tirana zu besichtigen, ein beeindruckendes Bauwerk, das 1988 errichtet worden
ist.

Andi (rechts) und ich (mittig) mit Olsi vor unserer ersten Unterkunft in Tirana.

Nach diesem ersten, erfrischenden Gespräch mit Olsi vertreten wir uns noch ein wenig die
Beine im Zentrum Tiranas. Wir schlendern über den sogenannten Skanderbeg-Platz, den
mehrere imposante Gebäude, darunter eine Oper sowie die Ende des 18. Jahrhunderts errichtete
E ́them-Bey-Moschee umgeben und lassen unseren Anreisetag Revue passieren, ehe wir den
Abend schließlich in einem kleinen Imbissrestaurant mit vorzüglichem Souvlaki ausklingen
lassen, garniert mit der Vorfreude auf die kommende Zeit in diesem spannenden Land.